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Dr. Andreas Ettemeyer und Dr. Michael Wilhelm

Studium und Praxis – Bachelor- und Masterarbeiten mit der NTB | NTB FOLIO im Gespräch mit Dr. Andreas Ettemeyer und Dr. Michael Wilhelm

18. Dezember 2019 | 16:59 Autor: Roland Seeger, NTB Folio | Anzeige Vorarlberg, Liechtenstein, Deutschland, Schweiz

Wie können Unternehmen Kreativität und den Blick von aussen nutzen? Zum Beispiel in einer Partnerschaft zwischen Lehre und Technologietransfer: Mit Bachelor- oder Masterarbeiten in den Unternehmen zusammen mit der NTB.

Wie profitieren Studierende von einer Bachelorarbeit?

Michael Wilhelm: Praxisnähe wird an der NTB grossgeschrieben. Es ist daher konsequent, wenn die Abschlussarbeiten mit der Praxis für die Praxis entstehen. Die Studierenden schärfen in der Zusammenarbeit mit den Industriepartnern ihr Wissen und ihre Erfahrung. Das motiviert sie natürlich auch sehr!

Welchen Nutzen hat ein Industriepartner davon, bei der NTB eine Bachelor- (oder Master-Arbeit) zu platzieren?

Andreas Ettemeyer: Es sind gleich mehrere Vorteile, welche die Zusammenarbeit mit uns bietet. Die Studierenden besitzen topaktuelles technisches Wissen. Dieses Wissen können sie ganz unbelastet – mit dem «Blick von aussen» –zum Lösen von Problemen einsetzen. Die Studierenden nutzen in der NTB eine moderne Infrastruktur, welche weit über die Region hinaus einzigartig ist.

Aus Sicht des Industriepartners ist die Platzierung einer Bachelor- oder Masterarbeit in vielerlei Hinsicht sehr interessant: Der Industriebetrieb lernt einen potenziellen neuen Mitarbeiter in seinem Arbeitsumfeld kennen. Er kann versuchen, ihn für sich zu gewinnen – in Zeiten des Fachkräftemangels ein erheblicher Vorteil. Weiter kann er ein Fachthema, das für seine Branche interessant ist, sehr kostengünstig bearbeiten und Lösungsansätze entwickeln lassen. Und schliesslich lernen Hochschule und Industriepartner sich besser kennen. Dies ist für die Akquisition von neuen Mitarbeitern ein ganz wesentlicher Punkt.

Besteht nicht trotzdem die Gefahr, dass die Studierenden dem Auftraggeber eine «Schreibtischlösung» präsentieren, also etwas, was nicht praxistauglich ist?

Ettemeyer: Die Bachelorarbeit ist ein Projekt, das mit dem sogenannten Fachmodul startet. Dort stimmen die Studierenden bereits die Aufgaben, Ziele und Meilensteine mit den Beteiligten, d.h. den Industriepartnern und den betreuenden Dozenten, ab. Sie hinterfragen mögliche Lösungsansätze. Dann legen sie fest, welche Wege sie einschlagen resp. ausschliessen. Natürlich bringen unsere Dozenten hier ihre Erfahrung mit ein.

Unsere ganze Systemtechnik-Ausbildung basiert auf der Praxisorientierung. Dafür betreiben wir hochmoderne Labors auf Industriestandard. Eine Bachelorarbeit ist daher keine «Papierarbeit », sondern löst die konkrete Aufgabenstellung, gegebenenfalls bis hin zum Funktionsmuster.

Angenommen, ich bin verantwortlich für eine Produktlinie in einem Industrieunternehmen und möchte ein Produkt mit «dem Blick von aussen» analysieren oder optimieren. Was ist mein nächster Schritt?

Ettemeyer: Sie nehmen Kontakt auf mit einem Professor der NTB, der auf dem von Ihnen gewünschten Gebiet tätig ist. Eine gute Informationsquelle ist unsere Website. Hier finden Sie Beispiele vergangener Bachelorarbeiten, sortiert nach Themengebieten und Kompetenzschwerpunkten unserer Institute. Oder Sie rufen mich an und ich stelle den richtigen Kontakt her. Meist stecken wir in einem Gespräch Aufgabe und Rahmen der Arbeit ab. Für die Arbeit suchen wir dann beim Start des nächsten Bachelorzyklus ein oder zwei geeignete Kandidaten – und schon kann es losgehen.

Wie beurteilen die Diplomanden selbst ihre Abschlussarbeiten?

Wilhelm:
Die Projekte werden überwiegend in Zweierteams bearbeitet. Unsere Studierenden gehen meist sehr feinsinnig und selbstkritisch an die «Sache», denn Sie wollen ein sehr gutes Ergebnis abliefern.

Deshalb sind sie auch sehr anspruchsvoll in der Auswahl ihrer Themen. Sie suchen Herausforderungen, die im vorgegebenen Zeitrahmen auch umsetzbar sind.

Mich persönlich begeistert es immer wieder, mit welcher Energie die angehenden Ingenieurinnen und Ingenieure ihre Abschlussarbeit in Angriff nehmen. Oft kommen sie mit grossem Engagement sogar weiter, als ursprünglich von ihnen gefordert. Man spürt förmlich, wie sie darauf brennen, das aufgebaute Wissen in einer krönenden Arbeit einzusetzen.

Wem gehört die Arbeit nach Fertigstellung?

Ettemeyer: Grundsätzlich gehören die Ergebnisse der Bachelor- oder Masterarbeit – wenn nichts anderes vereinbart wurde – dem Industriepartner zur eigenen Verwendung. Es ist aber zu beachten, dass diese Arbeiten Teil der Ausbildung sind und daher veröffentlicht werden müssen. Man kann Geheimhaltungsvereinbarungen treffen, aber eine minimale Veröffentlichungspflicht bleibt bestehen.

Welche Bachelorarbeit der letzten Jahre war bahnbrechend oder ist Ihnen besonders in Erinnerung geblieben?

Ettemeyer: Mich hat eine Arbeit aus dem Mikrotechnikbereich beeindruckt. Die Studenten haben einen Sensor entwickelt, mit dem Körperschweiss die Belastung eines Menschen analysiert. Sie haben diese Idee sogar einmal in einem Businessplan-Wettbewerb präsentiert. Sie haben sich aber dann nicht damit selbstständig gemacht, sondern im Rahmen ihrer Masterausbildung an einem grossen Forschungsprojekt zum selben Thema weiter daran gearbeitet.

Wilhelm: Die Frage ist stets: Was verstehen Sie unter «bahnbrechend»? Ich habe dazu unterschiedliche Perspektiven.

Die des Dozenten und Betreuers, der darauf achtet, dass in den «interdisziplinären Baukasten» gegriffen wurde und die Studierenden sowohl hinsichtlich fachlicher als auch organisatorischer Methoden gezeigt haben, dass sich das Studium gelohnt hat.

Dann die des langjährigen Ingenieurs, der ich selbst bin. Ich bin von vielen Ergebnissen überrascht und begeistert. Hin und wieder werden die Lösungen von den Industriepartnern als Patent angemeldet und weiterentwickelt. Machen Sie sich ihr eigenes Bild, wenn Sie sich die Bachelorarbeiten der vergangenen Jahre anschauen.

Zweck der Bachelorarbeit
In ihrer Bachelorarbeit zeigen die Studierenden, dass sie ihr Wissen und ihre Methoden im praktischen Umfeld anwenden und weiter vertiefen können. Sie erarbeiten praxisrelevante Konzepte und Lösungswege unter zeitlichen und wirtschaftlichen Randbedingungen und realisieren ihre Ideen gegebenenfalls als virtuelle oder reale Prototypen.

Themen und Themenauswahl
Von den Studierenden wird erwartet, dass sie in ihrer Abschlussarbeit Aufgabenstellungen der Praxis mit den in ihrem Studium erworbenen Kompetenzen lösen. Die Themen der Bachelorarbeit überschreiten die traditionellen Fachgrenzen von Maschinenbau, Elektrotechnik oder Informatik. Genau dies zeichnet das interdisziplinäre Studium Systemtechnik aus.

Weitere Informationen zu aktuellen Bachelorarbeiten finden Sie unter:
www.ntb.ch/bachelorarbeiten

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